michael-rolle"Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen." (Barmer Erklärung von 1934, IV. These)

 

Mitarbeitervertreter gehören in die Aufsichtsgremien

 

Wenn sich Dienstgeber immer mehr Rechte nehmen, muss die Aufsicht durch die betriebliche Mitbestimmung der Mitarbeitenden gestärkt werden. Mitarbeitervertreter gehören in die Aufsichtsgremien und sollten an wichtigen betrieblichen Entscheidungen stärker beteiligt werden. Mir fällt kein gutes Argument ein, warum das in der Diakonie nicht umgehend eingeführt werden sollte. In der kleinsten Einheit, der Kirchengemeinde funktioniert das seit vielen, vielen Jahren; in der Regel sehr erfolgreich. Mitarbeiterpresbyter heißt die Erfindung. Die vertreten im Leitungsgremium die Interessen der Mitarbeitenden und haben selbstverständlich Stimmrecht.

Dass diese Regelung auch immer mal wieder Probleme mit dem Status und der Rolle desanderen Gremiums, der Mitarbeitervertretung mit sich bringt will ich nicht verschweigen.

 


In den Diakonischen Einrichtungen gibt es das überhaupt nicht. Mit einer einzigen Ausnahme, in einer Einrichtung ganz im Süden dieser Landeskirche ist die Mitarbeitervertretung seit vielen Jahren mit Sitz und Stimme im Kuratorium. Diakonische Einrichtungen in freier Trägerschaft haben sich im Laufe der Zeit immer mehr zu dynamischen betriebswirtschaftlichen Unternehmen entwickelt, die betriebliche Mitbestimmung rumpelt aber immer noch mit den nostalgische Regelungen des MVG hinterher und versucht das Schlimmste zu verhindern.

Die gemeinsame Verantwortung für den Dienst der Kirche und ihrer Diakonie verbindet Dienststellenleitungen und Mitarbeiter wie Mitarbeiterinnen zu einer Dienstgemeinschaft und verpflichtet sie zu vertrauensvoller Zusammenarbeit - aber bitte doch auch in den Aufsichts- und den Leitungsgremien. Wo sonst kann denn betriebsintern an der einen oder anderen Stellschraube korrigierend eingegriffen werden, wenn alle Bemühungen um konstruktive Lösungen im Spagat der Wettbewerbsfähigkeit und der Mitarbeiterzufriedenheit nicht mehr gelingen oder sogar auf taube Ohren stoßen?

 

Auf Landeskirchlicher Ebene sind wir gerade einen Schritt weiter gekommen.

 

Die Landessynode 2011 hat völlig Schmerzfrei und ohne Vorbehalte beschlossen, dass es noch in diesem Jahr einen gemeinsamen Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen für Kirche und Diakonie geben wird. Die Forderung dazu ist so alt wie ich in Mitarbeitervertretung denken kann und das sind inzwischen sicher zwei Dekaden. Ob das ein Meilenstein oder nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur gewünschten Mitbestimmung ist wird sich zeigen.

 

 Die Fragen der notwendigen Freistellungen und Refinanzierung für die Arbeit in dem neuen Gesamtausschuss sind ebenso wenig geklärt, wie unsere Erwartung an allen wichtigen Entscheidungen im Vorfeld beteiligt zu werden. Dazu gehört auch die Vorstellung, irgendwann ein mit Sitz und Stimme berufenes Mitglied der Landessynode zu sein.Eine erste erfreuliche Entwicklung in diese Richtung möchte ich natürlich nicht verschweigen. Schon nach einer kurzen Erörterung mit den Vertretern des DWR, wird der Beirat / der Gesamtausschuss zu den zukünftigen Mitgliederversammlungen der Diakonie als Gast eingeladen. So einfach kann das sein.

Mehr Mitbestimmung wagen:

 

Ob Tarifverträge ein Allheilmittel sind weiß ich nicht, aber: Eine der ersten und wichtigsten Forderungen des landeskirchlichen Beirats hier im Rheinland ist die Forderung nach einem Tarifvertrag für Kirche und Diakonie. Auch deshalb, weil die kirchliche Arbeitsrechtsregelung

Michael Rolle,  Neukirchen-Vluyn

 

Auszug seines Vortrags vom 14.02.2011 auf der Tagung der Evangelische Akademie im Rheinland (EAiR) in Kooperation mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) am Niederrhein. - Wohin führt der „Dritte Weg"?